Santiago do Cacém
Santiago do Cacém ist eine südportugiesische Kleinstadt, die auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Schon in der Römerzeit gewann sie an Bedeutung, da sie an der Römerstrasse zwischen Lissabon und der Algarve lag. Santiago bietet etwa 7500 Einwohnern ein Zuhause und schmiegt sich an einen Berg, auf dessen Kuppe ein Castelo weite Blicke über das Land, die Industriestadt Sines und die portugiesische Atlantikküste erlaubt.
Wir waren fast zwei Wochen in Santiago do Cacém zu Gast, durften so allerhand Spannendes und Schönes entdecken. Und sind von dem Ort sehr angetan. Eine typische Kleinstadt im Alentejo, wie wir sie lieben: Ein Castelo trohnt auf dem Hausberg, darunter schmiegt sich die Altstadt mit seinen engen Gassen. Die Lage von Santiago do Cacém ist ideal, um eine Zeitlang dort zu verbringen – nicht weit vom Meer entfernt, von einigen hübschen Stränden und Küstenorten. Wer Santiago do Cacém als Basis für seinen Urlaub in Portugal wählt, kann in rund anderthalb Stunden mit dem Auto in Lissabon sein – oder an der Algarve.
Castelo de Santiago do Cacém
Schon von der Küste aus kann man die alte Burg von Santiago do Cacém erkennen. Ihre Mauern sind noch gut erhalten, und ein Spaziergang einmal direkt außen entlang der Mauern ermöglicht die schönsten Ausblicke auf die Stadt selbst, aber auch auf Sines und die Strände der Atlantikküste. Am Fuße der Burg liegt der historische Stadtkern von Santiago do Cacém, mit vielen engen Straßen, die bis heute für den PKW Verkehr freigegeben sind.
Möchtest du als Besucher die Burg erkunden, so fahre besser nicht in die Altstadt hinein, denn Parkplätze suchst du hier vergebens – und eng ist es dazu auch noch. Einen großen, kostenlosen und sicheren Parkplatz (38.017159, -8.699425) findest du westlich der Burganlage, von der es nur wenige hundert Meter bis zum Castelo sind.
Die Burg selbst kann nicht besichtigt werden, in deren Mauern befindet sich nämlich der Friedhof der Stadt. Eine übrigens einzigartige Nutzung der historischen Mauern – zumindest ist das uns so noch nicht unter gekommen, und wir haben schon viele Castelos besichtigt. Wenn du noch nie auf einem portugiesischen Friedhof warst, dann schau dich ruhig um. Sie sind nicht zu vergleichen mit unseren Friedhöfen – aufwändige Grabsteine, unzählige Plastikblumen und Familiengräber sind normal.
Kapelle von São Pedro
Unterhalb der Burganlage befindet sich auch die kleine Kapelle von São Pedro. Sie ist trotz mehrer Erdbeben noch recht gut erhalten, kann aber leider nicht direkt besichtigt werden, da das Gelände eingezäunt ist.
Moinho de Vento
Oben auf den Bergen östlich von Santiago befinden sich einige alte Windmühlen. Eine davon ist heute noch in Betrieb und kann besichtigt werden. Bei unserem Besuch waren leider gerade Betriebsferien und so konnten wir der ausführlichen Führung von Jorge leider nicht beiwohnen. Wird aber nachgeholt – denn ich möchte gerne mal sehen wie so eine alte Windmühle heute noch läuft.
Die Tongefäße an den Seilen der Mühle sind übrigens einzigartig und nur in Portugal zu finden. Sie dienen nicht nur zur optischen Verschönerung, sondern haben ein Zweck: Der Wind erzeugt, wie bei Flaschen über die man bläst, in den Klang-Gefäßen einen Ton. Der Müller erkennt somit am Klang seiner Mühle, ob diese richtig arbeitet, auch wenn er weiter entfernt ist. Es ist also nicht nur eine sehr schöne Erfindung, sondern auch noch eine ganz Praktische obendrein.
In Santiago do Cacém kann man sogar in einer wunderschönen, liebevoll restaurierten Mühle übernachten. Franziska, eine Schweizerin, hat sie vor vielen Jahren gekauft, restaurieren lassen und liebevoll eingerichtet. Die Herdade do Moinho ist ganz besonderes Ferienhäuschen, mit toller Aussicht, ruhig auf einem Hügelchen gelegen, mit Naturschwimmbad.
Miradouro Santiago do Cacém
Auf einem Hügel nördlich von Santiago befindet sich der Wasserturm der Stadt, welcher auch als Aussichtsturm „Miradouro“ ausgewiesen ist. Viele Parkplätze lassen die Vermutung aufkommen, dass man hier den Besuchern etwas besonderes bieten wollte. Der Wasserturm an sich ähnelt schon einem Obelisken, der weit über das Land sichtbar ist und am Fuße des Turm kann man noch das Becken eines Brunnen oder einer sonstigen Wasseranlage sehen. Heute dient der Wasserturm wohl nur noch dem Zwecke des Wasserspeichers. Touristen sieht man hier selten, ein paar Einheimische kommen über den Tag verteilt her und machen Mittagspause oder genießen den Blick über die Stadt.
Besonders bei Nacht ist dieser Platz jedoch sehr schön, denn dann kann man die schön beleuchtete Stadt und Altstadt incl. der Burganlage von Santiago do Cacém bestaunen.
Mehr Sehenswertes im Ort
Stadtmuseum Santiago do Cacém
Im Ort befindet findet man das Museum der Stadt, wo nicht nur der geschichtliche Verlauf vom Santiago nachverfolgt werden kann, man kann auch viele Gegegenstände aus vergangen Zeiten besichtigen.
Das historische Bahnhofsgebäude
Das alte Bahnhofsgebäude erinnert noch an die Zeiten als in Santiago noch Personenzüge gehalten haben. Heute ist der mit schönen Azulejos verzierte Bahnhof zu einem Restaurant umgebaut worden und es donnern nur noch die Güterzüge nach Sines hier vorbei – oft mehrmals pro Stunde.
Ausgrabungen der Römischen Siedlung Miróbriga
Auch die Römer waren hier, wer hätte es gedacht – es gibt nur wenige Orte in Europa, wo die Römer nicht ihre Spuren hinterlassen haben. An den freigegebenen Ausgrabungsstätten der römischen Siedlung Miróbriga am Stadtrand kann man Heiligtümer, Thermen und eine Pferderennbahn besichtigen.
Wen dieses Thema näher interessiert, wird auf der Webseite der Gemeine fündig, hier (auf englisch).
Vila Nova de Santo André
Santiago do Cacém ist nicht nur eine bezaubernde Stadt im Alentejo, sondern auch ein Landkreis. Und dazu gehört das Städtchen Vila Nova de Santo André, das direkt an der Atlantikküste liegt. Es ist jetzt optisch nicht der hübscheste Ort Portugals – es fehlt der historische Charme, dem man sonst so begegnet. Was daran liegt, dass Vila Nova de Santo André mehr eine Arbeitersiedlung ist. Sie wurde zusammen mit den Industrieanlagen (Ölraffinerie) in Sines errichtet. Unbedingt sehenswert ist jedoch die dazugehörige „Lagoa de Santo André“ – eine geschützte Lagune mit tollem Strand.
Ein besonderes Spektakel ist es, wenn aus der Lagune Wasser ins Meer abgelassen werden. Das passiert aber nicht allzu oft, sondern nur einmal im Jahr – wenn überhaupt. Nachdem ein Bagger eine Furt freigeschaufelt hat, fließt das Wasser wie in einem reißenden Fluss ins offene Meer. Was ein paar Surfer nutzen, um auf der Welle zu reiten. Dazu gibt es auch ein Video auf Youtube.
Was es sonst noch rund um Santiago do Cacém zu entdecken gibt …
- Die Minen von Lousal, (38.035686, -8.426035), alte, stillgelegte Minen, mit Museum.
- Der Badoca Safari Park, (38.042130, -8.744133), ein Themenpark – hat im Winter leider nicht geöffnet.
- Sines, (37.958625, -8.863236), ein Küstenort mit viel Energie – und schöner Altstadt. Hier gibt es eine Ölraffinerie, sowie ehemaliger Tagebau.
- Die Straße von Sines nach Porto Covo – die vermutlich schönste Küstenstraße in ganz Portugal.
Weiterführende Infos
In Santiago do Cacém übernachten
- Herdade do Moinho, die Mühle als Ferienhaus: https://goo.gl/maps/WwwejwBbQsH2
- Mit dem Wohnmobil: https://goo.gl/maps/c867nQ9ZCmL2 Offizieller Stellplatz der Gemeinde, mit Ver- und Entsorgung, gleich neben dem Hallenbad gelegen. Schön zentral gelegen,
Supermärkte und der Ortskern sind zu Fuß erreichbar. Der Platz ist schräg, man braucht Keile! - Campingplatz in Lagoa de Santo André: https://goo.gl/maps/QLLLx9Nw7UC2 Der Campingplatz hat ganzjährig geöffnet.
Einkaufen
- Am südlichen Ortsrand entlang der N261 finden sich die üblichen Supermärkte: Intermarché, Continente und Aldi.
- Im Nordteil der Stadt gibt es eine kleine Markthalle (Mercado Municipla) sowie einige Läden rundherum.
Restaurantempfehlung
- Wir haben im „Restaurante Cervejaria Covas“ sehr gut gegessen. https://goo.gl/maps/ERCVE9jbgum
Webseite der Gemeinde
- Verfügbar auf Englisch: turismo.cm-santiagocacem.pt